https://www.berlinale.de/de/presse/filmstills/filmstills_information/index.html

Berlinale III: Meine Top 7

7. Side Effects (Wettbewerb)
Steven Soderberghs letzter Film. So der Stand der Dinge. Der Regisseur zieht sich aus dem Filmgeschäft zurück und hat zum Abschluss einen Film Noir gemacht. Jude Law spielt einen Psychiater in New York, der seiner depressiven Patientin ein brandneues Psychopharmakon verschreibt. Drei Akte, zwei Wendepunkte, ein Perspektivenwechsel, alles sehr spannend und auf den Punkt genau erzählt. Auf der Pressekonferenz in Berlin nannte Soderbergh seinen Abgang von der Filmbühne jetzt erstmals eine Pause! Einen schönen langen Urlaub hat der talentierte Mann sich verdient, hoffentlich hört man in ein paar Jahren wieder etwas von ihm.

6. Paradies: Hoffnung (Wettbewerb)
Ist nicht so gut, wie Paradies: Liebe (siehe auch Berlinale I). Dennoch ist der Film ein Seidl’sches Original und merkwürdig erquickend anzuschauen. Die jungen Mädchen untereinander sind das Beste am Film. Ob das internationale Publikum der Berlinale den Film so amüsant finden konnte, wenn sich das Österreichisch im Untertitel verliert, ist fraglich.

5. The Best Offer (Berlinale Special)
Giuseppe Tornatore hat die Geschichte geschrieben und verfilmt. Ennio Morricone hat sie vertont. Aber ansonsten keine Spur von Italien. In Wien lebt ein steinreicher, verschrobener Kunstauktionator, der sich für Menschen wenig, aber für Gemälde umso mehr interessiert. Bis eine Auftraggeberin mit Agoraphobie seine Aufmerksamkeit erregt. Die junge Frau verlässt das ererbte Haus ihrer Eltern seit Jahren nicht mehr und unterhält sich mit Vergil (Geoffrey Rush) nur am Telefon oder durch eine Wand. The Best Offer ist nicht nur ein vollausgestatteter Augenschmaus, sondern eine überraschend packende Geschichte. Ich kam aufgewühlt aus dem Kino. So soll es sein!

4. In the Name of (Wettbewerb)
Dieser Film thematisiert gleich mehrere heikle Themen: katholische Kirche, Zölibat und Homosexualität. Aber er ist kein „Issue-Film“, der auf konkrete Antworten oder politische Positionen hinaus will. In the Name of will einem lieber an die Eingeweide. Es gibt ordentlich was mitzufühlen. (siehe Berlinale I)

3. Before Midnight (außer Konkurrenz)
Herrlich, einzigartig, fabelhaft! (Berlinale II)

2. An Episode in the Life of an Iron Picker (Wettbewerb)
Man sieht in diesem Film eindrucksvoll, wie ein komplettes Auto von Hand in seine Einzelteile zerlegt wird. Mit den Eisenteilen verdienen die Roma Männer in Bosnien ihr Geld. Der Regisseur Danis Tanovic stammt aus Bosnien und hat 2001 für seinen Film No Man’s Land einen Oscar gewonnen. Diesmal ist er durch einen Zeitungsartikel auf eine Geschichte aufmerksam geworden und hat für nur 17000 Euro einen Film daraus gemacht, in dem die echte Familie ihre Geschichte selbst nachspielt. Halb dokumentarisch und voll authentisch ist sein toller Film geworden. Beweis dafür, dass es beim Filmemachen auf Intelligenz und Talent ankommt und nicht aufs Budget!

1. Gloria (Wettbewerb)
Sie liegt nur knapp vor An Episode in the Life of an Iron Picker, aber Gloria war mir, von den 28 Filme der letzten 9 Tage, die liebste! Sebastián Lelios Film spielt in Santiago de Chile und dreht sich um eine geschiedene Frau Mitte fünfzig, die auf Partys geht und ihr Leben genießt. Die Kinder sind erwachsen, sie selbst ist berufstätig und modern, aber sie ist auch auf der Suche nach einem neuen Partner. Als sie Rodolfo kennenlernt, gibt es erst einmal wieder guten Sex. Einfach wird es deshalb nicht. Beziehungen sind schwer in jedem Alter: missglückte Kommunikation, unterschiedliche Erwartungen und Mitbringsel aus dem vorigen Leben. Aber dieser Film ist ganz bei Gloria, ihr Leben ist das worum es geht und dazu gehört mehr als nur die Paarbeziehung. So gibt es lärmende Nachbarn, die ihr den Schlaf rauben; eine lustige Putzfrau und eine scheußliche, nackte Katze; im Auto wird laut gesungen und mit Freunden über Politik gesprochen. Lelios Film kommt irgendwie unmittelbar aus dem Jetzt, fast wie ein Dokument moderner, westlicher Frauen im Heute. Ich war begeistert!

https://www.berlinale.de/de/presse/filmstills/filmstills_information/index.html