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HAZE miez… Der Bürgermeister

Der Club der Bürger ist die wahrscheinlich sympathischste Veranstaltung die derzeit die Münchner Szene aufwühlt. Wir haben den Kopf und Führer der Bewegung bei einer Runde Kegeln getroffen und mit ihm gesprochen.

Mit Kugeln scheint er ziemlich gut zu sein. Nach den ersten Strikes ist uns klar, dass der Bürgermeister auch im Bereich des Freizeitsports seinen Titel problemlos zu verteidigen weiß. Wir versuchen ihn mit ein paar Fragen aus der Reserve zu locken.

HAZE: Hallo Bürgermeister. 

BÜRGERMEISTER: Hallo Bürger.

HAZE:Wie kam die Idee zu Club der Bürger?

BÜRGERMEISTER: Ich hab das Bürgerhaus Glockenbachwerkstatt nach langer Abstinenz wiederentdeckt. Und diese neue freidemokratischen Bewegung wegen des Bolzplatzes, wo Paul Breitner und Sportfreunde Stiller mitgewirkt haben, hat dem Ganzen nochmal neuen Schwung gegeben. Auch wenn der erste CdB schon davor war. Dort sind alle Bürger freigestellt, das ist die Idee der freien Demokratie.

Mir geht es darum dass das Wort Bürger so einen Verfall erlitten hat seit der Nachkriegszeit, die NS-Zeit lassen wir mal raus, die Frage welche Rolle der Bürger da hatte ist sehr schwierig zu beantworten. Mit Bürgertum war früher das Bildungsbürgertum gemeint, womit eher positive Konnotationen verknüpft sind, und wenn du heute sagst: “Das ist eine bürgerliche Ansicht” versteht man darunter etwas Dummes, Spiessiges aber auch etwas Bauernschlaues. Und jetzt ist es endlich soweit dass ich das Bürgerliche wieder nach Vorne tragen werde, weil es etwas sehr schönes ist, ein Bürger zu sein!

HAZE: Was grenzt deine Veranstaltung von anderen ab?

BÜRGERMEISTER: Natürlich zuerst der Bürgerpreis von 5 Euro. Und vor allem dass sehr viele DJs gleichzeitig spielen, auf verschiedene Räume verteilt. Es gibt auch keine Hierarchie, Djs von 18 bis 68 können bei uns spielen. Es wird keiner ausgeschlossen und deshalb werden ganz viele Facetten Münchens dort gezeigt. Und das Ganze eben zu einem sehr geringen Eintrittspreis, weil hier keiner auf Profit aus ist.

HAZE: Nach welchen Kriterien suchst du die DJs aus?

BÜRGERMEISTER: Nicht jeder der sich bewirbt kann spielen. Aber eigentlich fast jeder. Es geht vor allem darum dass er mit Herz bei der Sache ist. Er muss keine wichtige Rolle in München innehaben, aber das Künstlerische muss ihm wichtig sein. Der Anspruch an sich selbst ist das ausschlaggebende Kriterium. Ich denke nicht nach den klassischen Parametern einer Veranstaltung, dass ich einen DJ suche der sehr beliebt ist und deshalb viele Leute zieht. Es muss von den Leuten her passen, er muss sich einfügen können in die Bürger.

HAZE: Du hast ja trotz allem immer recht prominente Namen bei dir vertreten. Wie überzeugst du diese Leute, die ja für andere Auftritte sehr viel Geld verlangen können, von deiner Idee?

BÜRGERMEISTER: Mittlerweile muss ich eigentlich kaum noch Überzeugungsarbeit leisten. Es ist soweit, dass es ein Privileg ist, ein Bürger zu sein. Es melden sich ganz viele Leute und fragen: “Hey warum bin ich noch nicht dabei?”. Es wollen sehr viele Leute mit dabeisein, und ich weiß schon garnicht mehr, wie ich die alle unterbringen soll, obwohl ich schon so viele DJs spielen lasse.

HAZE: Wie erklärst du dir den Erfolg der Veranstaltung?

BÜRGERMEISTER: Zum einen bekommt ja jeder diese Sticker. Nicht nur jeder DJ bekommt einen eigenen. Vom Türsteher über die Kassendame bis zum Gastroboss, alle bekommen einen. Auch die Künstler die mitmachen, es sind ja auch immer Kunstinstallationen, das darf man nicht vergessen. Auf jeden Fall alle die mitmachen, weil sie alle ein Bürger sind, also gleichberechtigt. Es wird verteilt, gesammelt und getauscht. Und das ist ein sehr kommunikativer Prozess, die Leute können sich austauschen. Da wird eine Ebene gebrochen, die so im Nachtleben sonst nicht zu brechen ist. Und die Masse der DJs die mitwirken wird dadurch erst deutlich. Ich hab vorgestern den 66ten Sticker abgeschickt, das heisst ich hab mittlerweile  66.000 Sticker bestellt, wohlgemerkt seit dem zweiten November!
Und das ist, wie ich denke, der ausschlaggebende Punkt für den Erfolg der Veranstaltung. Dass so viele verschiedene Gruppen zusammengeführt werden, an einem Ort an dem keine Vorherrschaftsrechte gelten, wie z.B. in einem Club. Sagen wir in einem Kong, Charlie oder YipYab, wo es immer heißt DIE sind jetzt die Hoster. Die Glockenbachwerkstatt ist ein freier Ort wo keiner mit irgendwelchen Interessen hingeht, sondern das einzige Interesse ist: Ich hab heute einen schönen Abend, spiel oder hör Musik. Und durch diese Menge an Leuten, die wieder verschiedenste Menschen mitbringen, entsteht ein ganz besonderes Erlebnis, auch von der Atmosphäre her.
Wenn man von einem Raum in den anderen geht ist man in einer anderen Welt, und es harmoniert trotzdem. Das ist das Schöne an den Bürgern, dass die vollkommen akzeptieren dass es verschiedene Musikrichtungen gibt, und wenn ihnen eine Richtung grad nicht gefällt gehen sie halt in den anderen Raum, da gibt es dann was sie wollen.

HAZE: Was war dein bestes Erlebnis auf einem Club der Bürger?

BÜRGERMEISTER: Das war beim letzten Club der Bürger. Ich hatte mir schon Träume ausgemalt und extra das Timetable so gesetzt dass zuerst Pfandfinderei, die beiden Jungs sind 17 und 18, und danach Christian Prommer, Mirko Hecktor und Benni Röder spielen. Und als ich dann in den Raum kam, standen Pfandfinderei mit Christian Prommer und Mirko Hecktor da und haben Back-to-Back gespielt. Die beiden sind zusammen ungefähr viermal so alt, das war wirklich der absolute Abschuss.
Als Christian Prommer neben den zwei Jungs stand und die ihn gefragt haben ob sie noch zehn Minuten spielen können und er nur: “JA, cool” und alle sind ausgeflippt.
Das war für mich der beste Moment weil es genau gezeigt hat warum ich, der Bürgermeister, das alles mache. Weil hier ein szeneübergreifender Austausch stattfindet. Die Szene wird ein Stück weit aufgelöst. Es hängt z.B. kein Timetable aus, es steht nirgends wer grade spielt. Das macht es unwichtig wer die Person ist, die grade spielt, es geht um das gesamte Erlebnis.

HAZE: Was erwartet uns kommenden Samstag?

BÜRGERMEISTER: Club der Bürger Nr.4. WIe immer: Sammeln, tauschen, kleben, lieben und leben.

HAZE: Herr Bürgermeister, wir danken für das Gespräch!