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HAZE miez… STWO

Seit STWO (gesprochen “Stju”) einen Bass halten kann, spielt er in Bands – seine Liebe gehört allerdings den elektronischen Beats. Der Spross einer sehr musikalischen Pariser Familie ist dieses Jahr zur Internetberühmtheit geworden nachdem sein Song “Lovin U” von sämtlichen Organen der internationalen Coolness abgefeiert wurde. Vergleiche mit Ta-Ku und Flume folgten auf dem Fuß. Für den 21-Jährigen kein Grund, überheblich zu werden, sondern weiterhin Songs wie am Laufband zu produzieren und auf Soundcloud rauszuhauen. Sein Gespür für Melodien und stimmungsvolle Beats, kombiniert mit seiner Arbeitswut sind nur einige Gründe, die STWO zu einem Kandidaten machen, den man auf dem Radar behalten sollte, wenn man auch 2014 musikalisch noch up to date sein will.
Wir haben ihm vor seinem absolut deliziösen Set bei den Jungs von den Midnight Adventures in München zum Interview getroffen.

HAZE: Langsame Beats, verträumte Vocals – wenn man sich deinen Sound so anhört, ohne dich zu kennen, stellt man sich einen ziemlich relaxten Typen vor – stimmt das?

STWO: Nein, eigentlich gar nicht. Wenn ich ehrlich bin, mag ich auch Uptempo-Sachen ganz gerne und auch Trap oder Dubstep, Sachen auf die man tanzen kann. Diese ruhigen Beats, die ich im Moment mache, sind einfach das, was mir als Produzent am meisten liegt, was am besten zu mir passt.

HAZE: Deine Musik hat auch eine sehr emotionale Seite – die hochgepitchten Stimmen, die Texte. Hängt das mit einer bestimmten Stimmung zusammen, in der du bist, wenn du Sound machst?

STWO: Ehrlich gesagt, ich denke da nicht so viel drüber nach. Ich produziere zwar meistens nachts aber nicht mit Absicht, es passiert einfach. Es ist keine bestimmte Stimmung, in der ich dann sein muss, aber wenn ich Musik mache, verändert das schon meine Laune. Wenn ich einen neuen Track fertig gemacht habe, bin ich anders drauf als davor: froh oder traurig, kommt auf den Song an.

HAZE: Du verwendest in deinen Songs ziemlich viele Vocals. Sind das alles Samples oder besteht dein Freundeskreis einfach ausschließlich aus talentierten Sängern?

STWO: Ich liebe es, mit Vocals zu arbeiten! Meistens mache ich erst den Beat und dann gucke ich auf verschiedenen Plattformen im Netz nach Acapellas. Manchmal kommt aber auch eine Zusammenarbeit mit echten Sängern zusammen. Wie beim Track “Virgo” zum Beispiel, da habe ich bei einem Gig in Montreal ein Mädchen namens Shay Lia getroffen. Sie ist Sängerin und hat mir etwas von ihrem Zeug gezeigt. Als ich wieder zu Hause war, habe ich ihr einen Beat geschickt und sie ist damit ins Studio gegangen. Ich habe ihr überhaupt nicht gesagt, was sie machen soll aber, als sie mir den Song zurückgeschickt hat, war er perfekt.

HAZE: Deine Beats haben ja manchmal auch so eine Hip Hop- Attitüde. Hast du auch vor, mal mit einem Rapper zusammen zu arbeiten?

STWIO: Auf jeden Fall. Für mich ist es das Ultimum meiner Karriere, Beats für Rapper zu machen. Das liegt auch daran, dass ich es zwar liebe, Beats zu machen aber nicht so gerne selbst im Mittelpunkt stehe. Ich bin lieber der Produzent, der im Hintergrund arbeitet und den keiner kennt (lacht). Dank meinem Label (HW&W) gibt es aber auch eine Connection zu ein paar richtig guten Rappern – da wird es wohl bald etwas geben … So viel kann ich an der Stelle sagen: Es wird groß!

HAZE: Da bin ich gespannt.
Du bist ja auch wirklich produktiv, was das Produzieren angeht. Auf Soundcoud hast du ja in den letzten Monaten gigabyteweise Tracks rausgehauen…

STWO: … ja, das war vielleicht sogar ein bisschen zu viel. Das Ding ist: Ich mache fast jeden Tag Musik, wenn ich nach der Uni nach Hause komme. Das ist einfach das, was mir am meisten Spaß macht. Eigentlich mache ich jeden Abend einen Beat, und weil ich früher keine richtige Strategie hatte, habe ich immer alles gleich hochgeladen, sobald es fertig war. Mein Manager hat mir jetzt gesagt, dass ich mal ein bisschen runterkommen soll – das ist ja auch verständlich, manchmal ist man ja auch genervt, wenn einer jeden Tag einen neuen Track rausbringt. Für mich ist das aber manchmal schon hart, mit der Veröffentlichung zu warten – ich vermisse die Reaktion der Leute online.

HAZE: Hat sich viel bei dir verändert jetzt, wo du unter der Fuchtel von Hugh What & Where bist?

STWO: Ja, total. Sie haben vor allem viel mehr Kontakte und dadurch kommt die Sache in Schwung.

Wie kam es eigentlich zu der Connection mit dem Label?

STWO: Ich habe am Anfang einen Haufen Emails an Blogs und Labels geschrieben. Soulection hat mir gleich geantwortet, dass sie mein Zeug mögen und so kam ich zu denen. Dort gab es dann aber irgendwann Probleme, weil ich Songs for free veröffentlichen wollte und sie nicht cool damit waren. Dann war der Manager von Kaytranada in Paris und hat mir geschrieben, er mag meinen Sound und hat mich gefragt, ob wir uns treffen können. Nachdem wir uns sehr gut verstanden haben, hat er mich gefragt, ob wir zusammenarbeiten wollen und ich habe natürlich ja gesagt. So kam es dann zum Wechsel zu HW&W – es war cool, weil es sehr freundschaftlich zuging und nicht nur das Business im Vordergrund stand.

HAZE: Abseits von Labels hast du ja immer sehr gut mit Blogs, wie z.B. Live For The Funk zusammen gearbeitet, die deine erste EP rausgebracht haben. Du veröffentlichst aber auch viel selbst und fast alles for free – wie wichtig ist das Verschenken von Musik, um als Künstler bekannt zu werden?

STWO: Ich denke, beide Strategien sind gut. Ob man viel verschenkt oder gar nichts. Es gibt auch Leute, die nichts verschenken, was gut sein kann, weil man seine Musik dann rar werden lässt und wenn die Leute nur den Sound auf deinem Channel hören, kann man natürlich auch die Daten und Statistiken nutzen. Für mich ist es aber das Beste, alles for free rauszugeben. 99% meiner Songs kann man sich gratis runterladen. Das liegt daran, dass ich versuche, mich in die Hörer hineinzuversetzen. Mir geht es auch so, wenn ich einen Track höre, will ich ihn in der besten Qualität haben und nicht illegal runterladen. Ich will einfach, dass er perfekt klingt, wenn ich ihn mit meinen Freunden höre. Für mich gehören Free Downloads zum Erfolg dazu und ich werde immer gratis Zeug veröffentlichen.

Daumen hoch dafür!
Die basslastige Musik, die du machst, ist ja gerade an Hipness kaum zu überbieten – du steckst quasi im Auge vom Hype-Orkan…

STWO: … ja und das macht mir manchmal auch ziemlich Angst. Der Hype kann schon cool sein aber manchmal folgen dir Menschen nur, weil dein Sound jung klingt oder eben gehyped ist. Aber weißt du was: ich habe keine Angst davor, wieder unbekannt zu sein, ich meine ich bin jetzt gerade nicht so groß aber wenn es läuft, ist es gut und wenn nicht, dann eben nicht. Ich weiß, dass Musik genau das ist, was ich machen will, auch wenn der Hype weg ist. Ich entwickle mich musikalisch ja auch weiter zu und versuche nicht immer nur das Gleiche zu machen. Es ist schon gefährlich, wenn du so einen Song hast, wie “Lovin U”, der so gut läuft, dann misst du jeden neuen Song daran. Meine letzten Releases klingen aber schon ganz anders, nicht mehr so gechillt wie die ersten Sachen. Bei “Syrup” zum Beispiel ist es dann auch echt gut gelaufen und der Track hat viel Aufmerksamkeit bekommen. Die Leute sind ja auch offen für Neues und ich muss nicht immer relaxte Songs machen, nur weil das jeder erwartet. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich habe keine Angst davor, dass es in der Zukunft nicht läuft. Ich war ein Mensch davor und ich werde danach auch einer sein.

HAZE: Danke für das Interview!

Bild: Antoine Mt