Occupanther - Talea EP

Occupanther – Talea EP

Sobald man das erste Mal auf Play drückt, nimmt einen “Talea” mit. Gleich bei den ersten Klängen des ersten Tracks “Down” wird klar: Occupanther aka Martin Brugger, Jazz-Bass-Student und musikalischer Tausendsassa, präsentiert uns hier eine sehr persönliche EP. Elektronische Musik mit Seele. Bloß kein liebloses Pop-Gedudel! Er will niemandem Gefallen und auch keine Hymnen schreiben, er will nicht dass Leute mitgrölen oder sich behindert feiern. Er will uns einfach nur an seinen kreativen Output teilhaben lassen und da sind wir mehr als gerne dabei. Sphärisch kommt der erste Track daher, ja fast episch, was total angebracht ist. So muss es klingen, wenn man das erste Mal etwas von einem Musiker hört.

Nummer zwei – “Color” – bricht das Ganze wieder etwas runter und lässt einen mit verspielten Percussions mit dem Kopf nicken. Die ausgefeilten Synthie-Arrangements und die drückenden Bässe verleihen dem Ganzen aber die nötige Ernsthaftigkeit. Alle Songs sind mit der passenden Prise Melancholie ausgestattet. Wie auch bei Occupanthers vermeintlichen Vorbildern (wir tippen da u.a. auf James Blake, Moderat, King Krule und Mount Kimbie) schießen einem beim Hören sofort Bilder in den Kopf. Lange, verlassene Straßen. Autofahrten an eindrucksvollen, vernebelten Landschaften vorbei. Perspektivlose Teenager in traurig anmutenden Plattenbauten. Klingt nach Klischee, ist aber einfach das Gefühl, dass er eingefangen hat und mit Erfolg vertonen konnte.

Bei “Hannah”, dem dritten Track von insgesamt vier, hört man ganz klar den Moderat-Einfluss raus. Es handelt sich dabei nicht um eine billige Kopie, sondern vielmehr um eine kleine Hommage. Die Drum-Loops, die stets prügelnd über die sanften Töne schieben, kennt man so nur allzu gut von Gernot Bronsert und Sebastian Szary. Und die Was-die-können-kann-ich-auch-Attitüde tut der EP gut. Man muss ja auch ein bisschen, zeigen was man drauf hat.

Am Ende winkt die Platte noch mal mit Aufbruchsstimmung. “This Feast Is Over” ist eigentlich das Stück der EP mit dem größten Happiness-Faktor. Die deepen Impressionen der ersten Songs sind wie weggeblasen und man bekommt sofort Bock auf Sommer und Freibad.

Ich habe mir eigentlich geschworen in diesem Artikel keinen Satz wie „München hat einen neuen Stern am Elektro-Himmel“ oder „endlich brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken“ einzubauen, aber scheiß drauf: Fick dich Berlin, fick dich Hamburg. Hier kommt Occupanther aus München: