paraNoise Copyright Tino Sailer

ParaNoise – Mircospace& Microtime

ParaNoise, mit bürgerlichen Namen einfach nur Hans, ist ein junger Gitarrist und Produzent aus München, der schon damals mit seiner „M.O.E. EP“ einen ganz neuen Stil in Münchner Produzentenkreisen prägte. Seine musikalische Vorbilder gehen von Flying Lotus und Hudson Mohawke bis hin zu Radiohead und Portishead. Alle die Einflüsse saugt er auf, nimmt sich von überall ein bisschen und kreiert daraus den typischen paraNoise-Klang. Auch die enge Verbundenheit mit der Münchner Band SampleMinded hört man klar heraus.
Seine Produktionen sind meist düster, geprägt von melancholischen Moll Akkorden, unterlegt mit HipHop Drumgerüsten, die sofort zum Kopfnicken anregen. Es entstehen wunderbare Harmonien, man hat sich gerade eingenickt und auf einmal wird diese heile Welt zerstört. Gitarren Akkorde werden abgelöst von kreischendem 8-Bit-Gameboy-Midi-Gewitter und die Rhythmik wird unklarer.

Ganz anders, nämlich genau umgekehrt, ist es bei seiner neuen EP “Microspace&Microtime”. Sofort wird man in eine düstere Welt gerissen. Deepe Bässe, Disharmonien, schwere Drumgerüste. Doch in der Ferne glitzert ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Er nimmt einen an die Hand, zieht einen mit durch seine Dunkle Seite, doch man weiß: es wird alles gut. Er hinterlässt den Hörer am Ende mit einem positiven Grundgefühl.

Symbolisch dafür kann man die letzten vier Tracks der Scheibe nehmen. Nach “Backwards”, der ersten Auskopplung zu der jetzt auch dieses Video von der wunderbaren Sarah Sulai enschien, wird man von dem Track “Crystal Creatures” buchstäblich überrollt. Es kracht, der tiefe Bass wabert, theatralische Streicher im Hintergrund. Doch bei den letzten beiden Tracks dreht er den Spieß um. Es geht um ein positives Gefühl, um Harmonie, um Liebe. “You got me head over heels” haucht die verpichte Stimme bei “Mermory Alpha”, durch die Boxen. Bei “Goodbye Sky” hat sich dann auch noch ganz heimlich ein Rihanna Sample eingeschlichen.
Wenn man das so hört, denkt man fast Herr paraNoise, wendet sich ein bisschen mehr dem Pop zu. Doch bei allen süßen Tönen bewahrt er sich seine musikalische Ernsthaftigkeit. Er möchte keine leichte Kost produzieren, die man schnell herunterschlingen kann. Er möchte ernst genommen werden, nicht nur von seinen Musikerkollegen, von den geschulten Ohren. Nein, von allen! Und dafür muss man sich ein bisschen Zeit nehmen, man muss sich darauf einlassen, um in die psychedelische Welt des ParaNoise eintauchen zu können.

Nehmt sie euch, lasst euch treiben in den finsteren Tiefen und den wunderschönen Höhen. Denn da geht einiges und da wird einiges gehen!