StudioCanal

The Place Beyond The Pines

Liebe, Verrat, Lüge, Vergebung. Wenn Blue Valentine eine intime Beziehungsstudie war, dann ist The Place Beyond The Pines ein symbolträchtiger Rundumschlag. Derek Cianfrances zweiter Langspielfilm läuft jetzt im deutschen Kino.

Wieder dabei ist Everybody’s Darling: Ryan Gosling. Er spielt eine Motorrad fahrende Attraktion auf dem Jahrmarkt namens Handsome Luke: Immer rauchend, zutätowiert, wild und dreckig, aber im Herzen gut. Luke trifft seine alte Flamme Romina wieder und erfährt, dass sie ein Kind von ihm bekommen hat. Für ihn ändert das alles.
Schicksalhafte Begegnungen und das klassische “schuldlos schuldig werden” bestimmen die zahlreichen Wendungen der theatralischen Geschichte. Abwesende Väter, geläuterte Väter, bekehrte, verlorene, freiwillige, gute und miese Väter. Dazu gibt es naturgemäß besorgte und traurige Frauen.

Da dieser Film ganz anderes ist als sein Vorgänger Blue Valentine, kommt er nicht mit zwei zentralen Figuren aus, sondern gönnt sich einige Schauspielstars. Allesamt sind sehr gut und verflochten in einen Plot, der aus einer Verdi Oper stammen könnte. Luke trifft auf seiner Heldenreise Robin, gespielt von Ben Mendelsohn. Der bankrauberfahrene Mentor hat nur wenige Auftritte im Film, aber jede Minute ist er brillant. Ebenso bringt Ray Liotta als korrupter Cop mit seiner Lache und dem frostigen Blick die Bilder zum Scheppern. Leider macht die Flut der bedeutsamen Ereignisse ein wenig dumpf. Nicht alles was da auf der Leinwand passiert, geht fühlbar tief.

Die junge, amerikanische Kleinfamilie – so komisch das als eigenes Sujet klingen mag – ist Derek Cianfrances absolute Spezialität. The Place Beyond The Pines ist am stärksten nicht dann, wenn er das Rad des Schicksals anschubst, sondern in den einfachen Momenten zwischen den Menschen. Auf einem Parkplatz wird ein Foto geschossen. Ein Vater nimmt sein weinendes Baby in den Arm. Ein Verletzter macht im Krankenhausbett eine Polizeiaussage.
Obwohl die Charaktere Archetypen sind, werden sie dann zu Individuen. Jeder hat Prüfungen zu bestehen. “Some problems can’t be solved by talking”, verkündet Bradley Coopers als Polizist Avery, der soeben eine Tapferkeitsmedaille bekommen hat. Das Handeln steht im Vordergrund, es treibt sie alle an. Vorwärtskommen, sich und seine Lebenslage optimieren ist ein Pfeiler des Films und des American Dreams generell.

Das Leuchten des Riesenrads bei Nacht als sprühende Funkenkulisse vor der sich zwei in die Augen schauen. Auch das Motorrad auf von Pinien gesäumter Straße wird zu Erinnerung, die der Film im eigenen Verlauf selbst zitiert. Das persönliche Los, einmal gezogen, bestimmt den Rest des Lebens. “Can’t start a fire without a spark”, singt der große Bruce Springsteen an einer Stelle, recht hat er.

Bildquelle: StudioCanal