San Quentin

HAZE mietz…San Quentin – Greek Edits (2012)

Quentin ist nicht nur ein alter Bekannter in der Münchner Musikszene, sondern auch ein langjähriger Freund der gesamten Haze-Posse. Und immer wieder überrascht er mit seinen Releases, die sich irgendwo zwischen organischen und elektronischen Klängen bewegen. Sein neustes Release kommt jetzt mit Ethno, Folklore und Weltmusik um die Ecke. Vor einigen Tagen hat der Ex-Pollyester Gitarrist seine “Greek Edits” bei Soundcloud hochgeladen. Wie er seine Musik produziert, was hinter den Edits steckt und wie er überhaupt auf die Idee kam griechische Klassiker zu samplen, erzählt er uns im Interview. Einfach jetzt auf Play klicken, den Ouzo einschenken und das Gespräch unten durchlesen:

Wie kamst du auf die Idee zu den Greek Edits?
Eine griechische Wolkengöttin (seine Freundin – Anm.der Redaktion. Woah geil wollt ich schon immer mal schreiben) hatte vor ein paar Wochen Geburtstag und ich beschloss ihr, aufgrund mangelnder handwerklicher oder bildnerischer Talente, etwas Musikalisches zu opfern. Sie fand das dann recht gut und gebot mir, das Werk mit den Sterblichen zu teilen, so wie Prometheus damals mit dem Feuer. Schlechter Vergleich, jedenfalls sind die Edits jetzt im Netz.

Wieviel Samples stecken da drin und woher hast du die?
Schon eine Menge, das variiert allerdings von Edit zu Edit. Ich baue meine Drum-Elemente, zum Beispiel Claps, eigentlich immer aus vielen übereinandergeschichteten Samples. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt konstant Samples per Mikrofon aufzunehmen und zu archivieren ohne genau zu planen, wofür ich sie mal brauchen könnte. Das hat leider vorerst ein jähes Ende gefunden, weil ich meinen Preamp mit einem 15V-Netzteil gegrillt habe.

Auf welchem System produzierst du?
Laptop mit Ableton und Reason, Tannoy Reveals, Midi-Keyboard und ein paar Controller und Grooveboxen, die ich aber eingentlich nie benutze, eher für die Analog-Blabla-Credibility. Und drei Gitarren, im Zimt-Edit hört man unpassenderweise meine Danelectro, weil ich dank kaputtem Preamp nichts Akustisches mehr aufnehmen konnte.

Was kommt nach den Greek Edits? Italien oder Spanien?
Portugiesischen Fado mag ich derzeit ganz gerne, aber ob ich daraus mal Edits machen werde weiß ich nicht, manche Sachen sollte man auch einfach gerne hören ohne irgendwelche Edit/Sample/Remix-Gedanken. Außerdem versucht mich mein brasilianischer Mitbewohner per 24-Stunden-Samba-Folter zu Brazil-Edits zu bewegen. Zurzeit produziere ich aber ab und zu mit Bostro Pesopeo (Permanent Vacation) Tracks, davon gibt es in Bälde mal was zu hören.

Warum der Kontrast aus organischen und elektronischen Klängen?
Einerseits ergibt sich dieser Kontrast wohl ganz von selbst, wenn man griechische “organische” Folklore versucht mit trackartigen Mitteln zu bearbeiten. Andererseits versuche ich bei der Auswahl der Samples und der Struktur der Tracks immer möglichst unverkrampft heranzugehen, damit das Ganze am Ende nicht allzu glatt klingt. Zum Beispiel eine Hihat aus einer hochgepitchen Guiro zu bauen und zur Verstärkung noch ein oder zwei normale Hats oder Self-made-Shaker oder ein Schnaufen drüberzulegen klingt organischer als z.B. ein einzelnes 909-Sample. Oder die Idee, bei “Zimt” nach sechs Minuten noch eine Gitarrenspur einzubauen, kam mir auf dem Heimweg an einem Samstagmorgen und ich glaube das Ergebnis klänge nicht so schön gipsymäßig schräg, wenn ich das nüchtern am nächsten Tag eingespielt hätte.

Wirst du jemals über 120 bpm kommen?
Bei den Griechen-Edits wäre das ziemlich unmöglich gewesen, die Originale sind alle zwischen 95 und 105 bpm. Ansonsten habe ich nichts gegen schnellere Tracks, ehrlich… mich nervt momentan eher der Überschuss an Slow-”Deep”-House mit runtergetuntem R’n’B-Sample-Loop und totaaal böser Moog-Bassline ab 1:30. Da würde ich lieber einfallsreichen Schranz hören, glaube ich.