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Sigur Ros – Kveikur

Sigur-Ros Kveikur
Sigor Ros ist wieder da. Das neue und siebte Album Kveikur ist stärker, schneller, agressiv-lauter und verstörender als alle bisherigen Kompositionen. Wenn man bei ihrem letzten Album “Valtari” befürchten musste, dass Sigur Ros, mit ihrer Musik von einem anderen Planeten, vollkommen verloren irgendwo in der großen, weiten NewAge-Stratosphäre auf psychedelischen Wolkenträumen herumschweben, geben sie mit “Kveikur” nun die richtige Antwort.

Man kann nur mutmaßen warum, aber der Weggang vom langjährigen Keyboarder Kjartan Sveinsson hat der Band keineswegs geschadet, vielmehr einen (hörbaren) neuen Schwung und Elan gegeben, wenn nicht zumindest eine zusätzliche Motivation, jetzt erst recht etwas geiles zu machen. Bassist Georg Holm und Schlagzeuger Orri Páll Dýrason, sind bei Kveikur Struktur und Rythmus gebende Säulen, welche dem Album eine Energie verleihen, die man in vorherigen Werken leider vermissen musste.

Kveikur ist Krach: dreckig, schmutzig und chaotisch, so dass sich selbst schwedische Death Metal-Bands in ihren Pentagram übersäten Bunkern beim Anhören brav und bürgertümlich vorkommen müssen. Brennisteinn, die erste ausgekoppelte Single und der Opener des Albums, kann man zu deutsch mit “Schwefel” übersetzen. Wenn Jonsi langsam und traurig den Gesang einläutet, ist es als würde man über den Flammen des Infernos schweben, verursacht von dem Schlagzeug und den anderen Instrumenten irgendwo da unten auf der Erde.
Überhaupt ist es Jonsi, der mit seiner Stimme wieder den Unterschied macht, Klangkörper entweder umrahmt, oder in ihnen vollständig aufgeht, wenn er elfenhaft über gefühlte Minuten den Ton hält.

Es empfiehlt sich das mehrmalige Anhören, um zwischen den oberflächlich lauten Klängen, die Tiefen der Songs kennenzulernen. Postrock-Genretypisch spannen sich die Lieder wie Bögen, langsam leise immer lauter werdend, von ruhiger Struktur zu wilder, chaotischer Anarchie. Anfangs findet man vieles noch anstrengend, ich persönlich musste immer wieder Lieder skippen. Wer dem ganzen aber Zeit schenkt, wird schon bald merken dürfen, dass hier ein grandioses und unikates Meisterwerk gelungen ist. Bravo.

Vielleicht ist dieses “Eintauchen in die Sigur Ros-Musik” das, was Sigur Ros von den vielen anderen Bands abhebt. Warum oder wie sie es auch immer schaffen, vom Kommerz/Mainstream/ Brangelina und Co. und zugleich vom harten Kern irgendwelcher Musikrand- und Splittergruppen verehrt zu werden.
In unzähligen Filmen zitiert, von anderen Bands als Inspiration und Vorbild geschätzt.
Dieses Album gibt wieder viel Material für mögliche Antworten auf das “Wie”. Man darf hoffen, dass das Mysterium des “Warum” nie gelöst wird, einfach nur darum (darum, darum (Echoschleife,leiser werdend)).

sigur rós – brennisteinn from sigur rós on Vimeo.

Sigur Rós – Kveikur (Live show visuals) from sigur rós on Vimeo.

Sigur Rós – Ísjaki (Official Lyric Video) from sigur rós on Vimeo.

Bildquelle: http://sigur-ros-store.com/kveikur/